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Japan, Kois und eine bunte Kapelle


Der Garten Eden von Hilde und Horst Stünkel umfasst zwei Hektar Land. Mit seinen vielfältigen Elementen weist er gestalterische Einflüsse aus Japan und Europa, aus Österreich, aus dem Mittelmeerraum und aus Norddeutschland auf. Im Sommer wogt ein Meer aus meterhohem Rhododendron über die Anlage, Rosen und Tulpen blühen um die Wette. Im Herbst wehen goldene Blätter über den Rasen. Im Winter leuchten die vielen Buchsbaumgewächse auf der von Holzpfaden, Terrassen, Teichen und Mauerwerk durchzogenen Fläche in sattem Grün. Und wie von Zauberhand fügen sich die unterschiedlichen Themengärten, die fernöstlichen Zitate und Anleihen aus dem sonnigen Süden zu einem perfekten Ganzen, dem ein ebenso kreativer wie ordnender Gedanke zu Grunde liegt. Ihm sei schon häufiger unterstellt worden, er sei verrückt, weil ihm immer wieder etwas Neues einfalle, und er den Garten nie zu Ende bringe, scherzt Gärtnermeister Horst Stünkel. Nehme man den Begriff wörtlich, treffe er durchaus zu, so der 77-Jährige. „Seit mehr als 30 Jahren verrücke ich meinen Garten“, sagt der gelernte Gärtnermeister, der mit Hilfe seiner Frau ein Gartenareal geschaffen hat, für das die Bezeichnung „Paradies“ nicht zu groß geraten ist. Kaum zu glauben, dass hier einmal nichts als Brachland lag, auf dem eine Holzbaracke stand. Mitte der 1950er Jahre pflanzte Stünkel die ersten Bäume an, es war die Urstunde einer Gartenanlage, die ihre Besucher immer wieder in Entzücken versetzt. Zuweilen mache ihn die Begeisterung fast ein wenig verlegen, so Horst Stünkel, der ein bescheidener Mann ist, die Besucher mit Witz und Charme unterhält, und der eigentlich Bildhauer werden wollte. Aber sein Vater habe ihm abgeraten, da dies eine brotlose Zunft sei. Und damals habe man gemacht, was der Vater vorgab. Heute gestaltet Horst Stünkel in seinem Atelier originelle Holzskulpturen, die sein künstlerisches Talent zeigen. Er stellt sie in versteckte Winkel. Dort hocken sie – ein bisschen Ehrfurcht gebietend – und schauen aus verwitterten Baumgesichtern auf das weitläufige Gelände, das mit der verzweigten Wegführung, den Koi-Teichen, alten Eichenstämmen und schmiedeisernen Toren an einen verwunschenen Park erinnert.

Der Besucher gelangt durch einen Rosen umrankten Torbogen aus Holz und Stein in diesen Garten der Besonderheiten. Bereits nach wenigen Schritten entfaltet die Anlage ihre Magie, fällt der Blick über die von Buchshecken gesäumten Wege auf kleine Pflanzeninseln, die bunten Farbschmuck tragen. In einem Kräutergarten wachsen Schnittlauch, Bohnenkraut und Lavendel. Es lohnt sich, auf die Details zu achten: In Staudenbeete und hinter Formgehölzen, zwischen Astwerk und an Steinwänden hat Horst Stünkel Dinge des Alltags hingestellt, aufgehängt und angelehnt, die – aus ihrem organischen Zusammenhang gerissen – einen ganz eigenen Reiz entwickeln. So werden Kirchenfenster und Steinplatten, Tongefäße oder eine alte Holztür, von der die Farbe abblättert, zu hochwertigen Dekorationsgegenständen. Zwei seiner vier Töchter sind so vernarrt in das Gartenparadies, dass sie dort wohnen blieben. Bei Führungen bedienen sie die Gäste schon mal mit Kaffee und Kuchen. Sitzecken und lauschige Plätze zum Verweilen gibt es viele. In einer Kapelle, die Horst Stünkel für seine Frau baute, und in die er alte Fenster aus der Dötlinger Kirche einsetzte, kann sich – wer mag – zur inneren Einkehr niederlassen. „Es ist ein Angebot, mehr nicht“, sagt Stünkel, der auch als Baumeister überzeugt.

Die Kapelle ist ein Unikat, ebenso wie der japanische Garten mit seiner fernöstlich geometrischen Klarheit und wie die Felswand, an der auf Knopfdruck ein Wasserfall herabrauscht. So viel kunstvolle Originalität spricht sich herum. In Stünkels Gartenparadies flanieren Gäste aus Finnland, Österreich, Holland und der Schweiz – sogar ein Priester aus Ghana hat sich dieses irdische Paradies angeschaut.

Seine Buchsbäume züchtet Horst Stünkel übrigens selbst. Als Pflanzensubstrat dient ihm der Dünger, den das nahegelegene Kompostwerk produziert. Gärtnerisch lässt er sich von der Vorstellung einer Harmonie leiten, die auch Brüche aushält. Die Ideen gehen ihm nie aus. Manchmal macht er sich nachts, wenn er unvermutet aufwacht, Notizen für die Gartengestaltung. Auf seine Philosophie angesprochen, schweigt er kurz. Ehefrau Hilde aber, die ebenso herzlich wie ihr Mann ist, zeigt einen gerahmten Spruch, der alles ausdrückt, was ihr der Garten bedeutet: „Der Garten ist der letzte Luxus unserer Tage, denn er fordert das, was in unserer Gesellschaft am kostbarsten geworden ist: Zeit, Zuwendung, Raum.“

Stünkels Gartenparadies
Horst und Hilde Stünkel
Stünkelweg 2, 27798 Hude-Kirchkimmen

Telefon 04408 / 6854
Eintritt 2,50 Eruo
Führungen auf Anfrage
Barrierefrei



Urlaubsjournal 2017/2018

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